Vergangenheit und Gegenwart

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Ursprünglich war das Clarenbachwerk in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Bauverein innerhalb der
evangelischen Clarenbachkirchengemeinde. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges galt es, einen Beitrag zur Linderung von Not,
Elend und Zerstörung zu leisten. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wurde 1945 das eigentliche Clarenbachwerk Köln e.V.
von Heinrich Püschel, dem damaligen Gemeindepfarrer der Evangelischen Clarenbach-Kirchengemeinde Köln-Braunsfeld, gegründet.
„Soziale Arbeit“, so Pfarrer Püschel im Rückblick auf die Anfänge des Clarenbachwerks, „ist nur sinnvoll, wenn sie auf die unmittelbaren
Gegebenheiten der eigenen Zeit bezogen ist. Man kann sich soziale Aufgaben nicht wünschen. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt,
ist ungeeignet, anderen Menschen in der richtigen Art und Weise zu helfen.“

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Die Zeichen der Zeit waren 1945 deutlich genug: Es ging primär darum, für möglichst viele möglichst schnell menschenwürdiges
Wohnen und Leben zu gewährleisten. Hier setzte die Arbeit des Clarenbachwerks ein. Das erste Bauvorhaben war ein Altenheim
für mehr als 100 ältere Menschen und eine Kindertagesstätte. Zusammen mit dem Asyl-Verein (Evangelisches Feierabendhaus),
dessen Altenheim im Krieg zerstört wurde, wurden diese Gebäude 1949 an der Aachener Straße, Ecke Peter-von-Fliesteden Straße,
realisiert. Pfarrer Püschel sagte dazu: „1949 hatten weder Staat noch Kirche die notwendigen Mittel, um große Häuser zu bauen.
Man hielt damals eine Notkirche für das Wichtigste. Wir haben nicht sie, sondern das große Haus gebaut. Grob gesprochen ging
es uns nicht um die Kirche, die nur wenige Stunden in der Woche gebraucht wurde, es ging uns um alte und junge Menschen,
die in Trümmern und Kellerlöchern vegetierten.“ Das Clarenbachstift wurde am 4. Advent 1951 in Dienst gestellt und siehe da,
eine Kirche war „nebenbei“ sogar mitgeschaffen worden. Das Stift wurde 1981 an die Clarenbach Kirchengemeinde zurückgegeben.

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Getreu dem Grundsatz, dass sich Hilfsangebote an den aktuellen Notlagen orientieren müssen, waren auch die folgenden
Bauvorhaben des Clarenbachwerks vor allem dadurch motiviert, jungen wie alten Menschen humanen Wohnraum inklusive
einer fachgerechten Betreuung zur Verfügung zu stellen. Mit Beginn der 60er-Jahre rückte die Altenarbeit zunehmend ins
Bewusstsein der Öffentlichkeit. Damit begann eine Umstrukturierung der Arbeit des Vereins, die auch den Umbau und Neubau
der in kurzer Zeit erbauten und den aktuellen Notlagen gehorchenden Häuser notwendig machten.
Die bestehenden Häuser des Clarenbachwerks wurden in Einrichtungen für alte Mitbürger umgewandelt. Zu denen kamen
außerdem in unmittelbarer Nähe in Braunsfeld das Anne-Frank- und Paul-Schneider-Haus hinzu, in Köln-Müngersdorf die
Alten- und Pflegeheime Haus Andreas sowie die Häuser Paulus und Stephanus. Um geänderten Anforderungen an die
Betreuung alter Menschen gerecht werden zu können, entstand 1976 ein Altenkrankenheim mit 210 Plätzen,
das Heinrich-Püschel-Haus. Zehn Jahre nach seiner Eröffnung wurde es nach dem Gründer des Clarenbachwerks benannt.
So fand sein verdienstvolles, beispielhaftes und mutiges Wirken die ihm zustehende Anerkennung. Heute widmet sich das
Haus besonders den Menschen, die an einer senilen Demenz leiden.

Das Altenzentrum Deckstein mit Altenwohnungen und mit insgesamt 70 Altenheim- und Pflegeplätzen wurde ein Jahr später,
1977, eröffnet. Parallel zu den Neubauvorhaben wurden alle alten Häuser entweder aufwändig saniert wie die Häuser
Stephanus und Paulus, oder aber komplett neu gebaut, so das Haus Andreas (1982), die beiden Braunsfelder Häuser,
das Anne-Frank- und Paul-Schneider Haus (1995).
Bereits 1992 wurde als erste Einrichtung seiner Art in Nordrhein-Westfalen das Frida Kahlo Haus eröffnet, ein Haus für
junge Menschen, die aufgrund von Unfall oder Erkrankung schwer pflegebedürftig geworden sind. Ausschlaggebend für
dieses Haus war die Beobachtung, dass junge, pflegebedürftige Erwachsene in Alteneinrichtungen untergebracht waren,
wo sie zum Teil weder adäquat pflegerisch und medizinisch betreut werden konnten noch sich wohl fühlten.
Damit rundete das Clarenbachwerk sein umfangreiches Hilfsangebot auch für die wachsende Zahl an jüngeren Menschen,
die der Heimpflege bedürfen, ab.
Seit vielen Jahrzehnten betreibt das Clarenbachwerk außerdem ein Fachseminar für Altenpflege, weil es sich der besonderen
Verantwortung für die Qualifikation und Weiterbildung von Pflegekräften bewusst ist.